Ricus Suche – Auszug

Kleiner Einblick in die Folgestory zu Ricu, an der ich momentan arbeite. Kurz zusammengefasst: Er hat ein Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen.


„Ist dir eigentlich niemals in den Sinn gekommen, dass es… ungesund sein könnte, nach jemandem zu suchen, von dem du doch schon bei der ersten Begegnung wusstest, wie überlegen er dir ist?“

Ricu war noch immer verheult nach der Prügel, die er von diesem Ramon bezogen hatte. Und er fühlte sich entblößt, oder eher: Bloßgestellt in der Zelle, in der es abgesehen vom Kopfkissen und der dünnen Bettdecke nichts gab, womit er sich hätte bedecken können. Sich zu setzen oder hinzulegen wäre schmerzhaft geworden, mit den Rötungen und blauen Flecken, die bereits begannen, sich abzuzeichnen. Überhaupt schmerzte jede Berührung auf seinem wunden Po, den Oberschenkeln, aber auch auf seiner Brust. Nicht einmal der Stoff der Bettdecke fühlte sich angenehm an. Darauf zu verzichten allerdings wäre schlimmer gewesen.

„Verraten Sie mir jetzt wenigstens, wo ich hier eigentlich bin?“, wollte Ricu dennoch wissen, als er sich erst etwas gefangen hatte.

Der andere lachte. Herablassend, aber auf seine Weise doch ehrlich.

„Wo du hier bist – an einem Ort, den du nicht wieder verlassen wirst, solltest du das herausfinden. Vielleicht niemals wieder. Und schon wieder so ein Fall, bei dem sich die Frage stellt: Bist du sicher, dass du das willst? Für den Rest deines Lebens als Sklave dienen in diesem Haus? Denn etwas anderes, um das klarzustellen, bist du hier nicht und wirst es niemals sein.“

Ricu wollte antworten. Er wollte widersprechen, eine Diskussion beginnen, einen Streit. Aber es gelang ihm nicht. Zu sehr war ihm noch immer nach Heulen zumute. Er hatte ja bereits feststellen müssen: Einen Ausweg aus dieser Zelle gab es nicht. Seit er sich an diesem Ort befand, in diesem Gebäude, hatte er noch keinen Strahl Sonnenlicht gesehen, kein Fenster, keinen Weg nach draußen, nichts dergleichen. Selbst der Lichtschalter lag außerhalb seiner Reichweite. Nur ein kleiner Druck darauf, von seinem Gegenüber, und er wäre erneut gefangen in dieser Dunkelheit. So sehr die Neugierde Ricu getrieben hatte, so sehr er sich danach gesehnt hatte, diesen Mann wiederzusehen, der ihm nun gegenüberstand, auf der anderen Seite der Gitterstäbe, gekleidet in ein lockeres Gewand in Schwarz- und Rottönen: Das hier war es nicht wert.

„Und was wäre mit Ihrem Namen? Wenn Sie mich schon in Ihrer Gewalt haben, darf ich dann wenigstens erfahren, wie Sie heißen?“

Als Ricu eine Weile kein Wort herausgebracht hatte, hatte sein Gegenüber kurz die Augenbrauen hochgezogen und sich von ihm abgewandt, sich angeschickt, den Raum zu verlassen. Ihn allein zu lassen in diesem kalten, dunklen Verlies. Vielleicht sogar in der Dunkelheit. Ohne die geringste Verbindung zur Außenwelt.

„Bitte!“, rief Ricu ihm hinterher. Und kurz wandte er sich tatsächlich um, musterte ihn. Warf ihm ein süffisantes Lächeln zu, für das Ricu nicht anders konnte als ihn inniglich hassen. Und hob die Hand zum Lichtschalter so langsam, dass Ricu es selbst auf die Distanz gut nachvollziehen konnte.

„Nein, bitte…“, flehte der noch.

Zu ändern vermochte es nichts. Kurz darauf war der andere nichts mehr noch ein Schatten vor dem Licht, das aus dem Nachbarraum zu ihm herüberdrang. Im nächsten Moment schloss sich die Tür hinter ihm. Finsternis war alles, was blieb. Ricu war allein.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑